Das Thema Kindeswohl werde für rechtsextremistische Politik und Narrative instrumentalisiert: Durch den Vorwurf der Pädophilie würden Feindbilder wie Homosexuelle legitimiert
In Deutschland beschäftigt sich der Verfassungsschutz zunehmend mit Rechtsextremen, die Pädophile & Homosexuelle jagen. Bei der Tätergruppe soll es sich vor allem um junge Männer“ handeln. Über soziale Medien sollen sie Kontakt zu Personen aufgenommen haben, denen sie pädophile Neigungen zugeschrieben haben, um dann Straftaten gegen diese zu verüben, schreibt das Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein auf Anfrage des SWR. Opfer seien auch Menschen, die sich selbst als queer identifizieren. Generell, so das Bundesamt für Verfassungsschutz, habe das Thema Pädophilie in der rechtsextremen Szene seit Anfang 2024 vor allem im virtuellen Raum an Bedeutung gewonnen. Das Thema Kindeswohl werde für rechtsextremistische Politik und Narrative instrumentalisiert. Durch den Vorwurf der Pädophilie würden Feindbilder wie Homosexuelle legitimiert. Die Strategie ist in sämtlichen rechtsextremistischen Strömungen präsent und wird im digitalen Raum als zentrales Agitations- und Mobilisierungselement eingesetzt, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Hass & Hetze gegen Pädophile kommt aber nicht nur aus dem rechten politischen Spektrum, sondern wird auch von radikalen „Kinderschützern/Innen“ und traumatisierten Missbrauchsopfern begangen. Die Brandstifter von Hasskriminalität befinden sich auch in Teilen der AfD. Besonders aktiv ist die Landtagsabgeordnete in Niedersachsen Vanessa Behrendt. Auf ihrem X-Account versammeln sich User mit einer menschenverachtenden Gesinnung. Gewaltbereite User sehen sich legitimiert, an Pädophilen & Homosexuellen Gewalttaten zu begehen. Unter dem Deckmantel virtueller Kritik & freien Meinungsäußerung werden Desinformationen und Lügen verbreitet. Fakt ist jedoch: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen…
Netzwerke in Deutschland
Wie weit verbreitet ist diese Vorgehensweise in der extrem rechten Szene in Deutschland – über die aktuellen Ermittlungen in Schleswig-Holstein hinaus? Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bestätigt auf SWR-Anfrage, man wisse von Fällen, in denen Rechtsextremisten „Fake-Profile“ in sozialen Netzwerken einrichteten, dort „als junge Heranwachsende“ auftraten und dann gezielt den Kontakt zu tatsächlichen oder vermeintlichen Pädophilen oder zu Angehörigen der LGBTQ-Bewegung suchten. In solchen Fällen könne es zu körperlichen oder verbalen Attacken kommen.
Zwar sei das so genannte „Pedo-Hunting“ nicht per se eine rechtsextremistische Agitationsform, da diese auch von anderen gewaltaffinen Akteuren genutzt werde. Man wisse allerdings von einer „kleine[n] Anzahl“ an Pedo-Hunting-Gruppierungen mit Bezug zum Rechtsextremismus”.
Zuletzt hatte die Bundesregierung im Oktober 2024 in einer parlamentarischen Anfrage die als rechtsextremistisch geltende Gruppierung „Deutsche Jugend Voran“ genannt, die eine Chatgruppe mit dem Namen „Pedo Hunting“ betrieben habe. Darin seien Inhalte geteilt worden, „die als implizite Aufforderungen zu Aktionen“ gegen vermeintlich Pädophile verstanden werden könnten.





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