Deckmantel der Selbstjustiz: Die Polizei betonte jedoch ausdrücklich, dass keines der Opfer pädophil gewesen sei
Am Freitag führte Österreichs Polizei einen Schlag gegen militante Rechtsextreme durch. Diese hatten offenbar gezielt Jagd auf schwule Männer gemacht und sie an entlegene Orte gelockt, um sie dort gewaltsam zu misshandeln. Die Gruppe nannte sich selbst „Pedo Hunter“ und behauptete, sie würde angebliche „Pädophile“ bestrafen. Die Polizei betonte jedoch ausdrücklich, dass keines der Opfer pädophil gewesen sei. Gehandelt haben die Täter laut Polizeiangaben unter dem „Deckmantel der Selbstjustiz“. Bislang wurden mindestens 17 Vorfälle dokumentiert, die Polizei geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Fälle werden aber aus Scham oder Angst vor Stigmatisierung nie gemeldet. Die Angelegenheit schlägt auch in der Politik Wellen. Empört äußerten sich Sozialdemokraten, Grüne und die liberalen Neos. Die konservative ÖVP, namentlich Innenminister Gerhard Karner, sprach von einer „überaus brutalen und menschenverachtenden Tätergruppe“. Auffällig ruhig blieb es hingegen von der rechtsradikalen FPÖ…
Täter aus dem Umfeld rechtsextremer Gruppen aus Wien
Die Gruppe nannte sich selbst „Pedo Hunter“ und behauptete, sie würde angebliche „Pädophile“ bestrafen. Die Polizei betonte jedoch ausdrücklich, dass keines der Opfer pädophil gewesen sei. Gehandelt haben die Täter laut Polizeiangaben unter dem „Deckmantel der Selbstjustiz“. Bislang wurden mindestens 17 Vorfälle dokumentiert, die Polizei geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Fälle werden aber aus Scham oder Angst vor Stigmatisierung nie gemeldet.
Die Angelegenheit schlägt auch in der Politik Wellen. Empört äußerten sich Sozialdemokraten, Grüne und die liberalen Neos. Die konservative ÖVP, namentlich Innenminister Gerhard Karner, sprach von einer „überaus brutalen und menschenverachtenden Tätergruppe“. Auffällig ruhig blieb es hingegen von der rechtsradikalen FPÖ. Sie hatte sich in der Vergangenheit vielfach nicht oder nur undeutlich gegen Rechtsextremismus abgegrenzt. Parteichef Herbert Kickl bezeichnete die Identitäre Bewegung etwa 2021 als „interessantes und unterstützenswertes Projekt“.
Die Verfolgung Homosexueller unter dem Vorwand der Bekämpfung der Pädophilie kennt man in Europa vor allem aus Russland und Belarus. In dieselbe Kerbe schlägt auch die ungarische Regierung, die erst diese Woche die Budapest Pride und andere LGBTIQ-Events zwecks „Kinderschutz“ verbot.
https://taz.de/Rechte-Gewalt-in-Oesterreich/!6077992




In der Medienberichterstattung, aber auch von der Polizei selber, wurde mehrfach mit Nachdruck betont, dass die Opfer dieser Gewaltverbrechen nicht pädophil gewesen seien. Die meisten Medien, die über den Fall berichtet haben, betonten diesen Aspekt ebenso mit Nachdruck. Auch Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ, verurteilte scharf, dass die Täter:innen „ihren Opfern Pädophilie“ unterstellt hätten. Dies hinterlässt einen faden Beigeschmack, insbesondere im Hinblick auf von „Pädojägern“ begangene Gewalttaten aus der Vergangenheit, die nicht annähernd auf so viel Protest stießen und von Medien den Täter:innen sogar teils noch eine Bühne gegeben wurde. Wären die Gewalttaten weniger schlimm oder gar akzeptabel gewesen, hätten die Täter:innen tatsächlich Pädophile zum Ziel gehabt?
Die inzwischen zahlreichen Verbrechen von selbsternannten Pädojägern sind in jedem Fall zu verurteilen, nicht nur dann, wenn es gesellschaftlich akzeptierte sexuelle Minderheiten trifft. Taten wie jene in Österreich sind mit das Ergebnis einer medialen Berichterstattung, die seit Jahren diesen „Jägern“ eine Bühne bietet, sie damit legitimiert und ihr fragwürdiges Verständnis von Rechtsstaatlichkeit zur Verbreitung verhilft. Schon alleine die selbstgewählte Bezeichnung als „Pädojäger“ und die damit verbundene Darstellung, dass Pädophile wie wilde Tiere gejagt gehören, ist zutiefst menschenverachtend, wird aber selten kritisch hinterfragt und erlangt dadurch an sozialer Akzeptanz. Es ist daher auch nicht überraschend, dass gewaltbereite kriminelle Banden darauf aufbauend versuchen, ihre Gewalt zu rechtfertigen, indem sie ihre Opfer als Pädophile bezeichnen.
Die mediale Glorifizierung und Legitimierung von „Pädojägern“ muss endlich konsequent ein Ende finden, ansonsten sind weitere Gewalttaten durch solche sich als „Pädojäger“ inszenierenden Lynchjustiz-Gruppen vorprogrammiert.
https://wir-sind-auch-menschen.de/aktuelles/2025/03/24/grosrazzia-gegen-rechtsextreme-padojagerszene-in-osterreich
„Die Polizei betonte jedoch ausdrücklich, dass keines der Opfer pädophil gewesen sei.“
Das würde ja bedeuten, dass misshandlung von Pädos/MAP’S (auch unschuldigen), selbst für die Polizei legitim ist…
K13online Anmerkungen
Das kann man so pauschal nicht sagen. Dieser Hinweis der Polizei ist aber sehr wichtig, denn es macht natürlich einen erheblichen Unterschied, ob die Gewaltopfer pädophil oder homosexuell sind. Juristisch darf es keine Rolle spielen, ob es sich um Pädophile oder Homosexuelle handelt. Denn alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Allerdings ist es leider gesellschaftlich und medial nicht das Gleiche. Der Protest bei pädophilen Opfern wäre sicherlich gering.
Möglich ist auch, dass es neben den homosexuellen Opfern auch pädophile Opfer gibt, die sich aber nicht bei der Polizei gemeldet haben. Dies kann auch daran liegen, dass sich diese Pädophile ggf. selbst belasten würden. In den Fällen, wo dies nicht der Fall ist, sollten diese Pädophile den Mut aufbringen, Strafanzeige zu erstatten und die Gewalttaten polizeilich verfolgen zu lassen. In einem Rechtstaat werden die Täter dann auch verurteilt. In der Vergangenheit hat es solche Verurteilungen schon gegeben…
„Fassungslos, dass so etwas in Österreich im Jahr 2025 passiert“
Innenminister Gerhard Karner von der christsozialen ÖVP versprach eine vollständige Aufklärung: „Die Ermittlungen werden mit Hochdruck weitergeführt, um auch mögliche weitere Täter schnellstmöglich aus dem Verkehr zu ziehen.“ Der offen schwule SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner zeigte sich „fassungslos, dass so etwas in Österreich im Jahr 2025 passiert“. Dabei handle es sich nicht nur um einen Angriff auf Einzelpersonen, sondern „auf die Freiheit, auf die Menschenrechte und auf unsere offene Gesellschaft“.
https://www.queer.de/detail.php?article_id=53050