WDR im Interview mit dem Kriminologen Dirk Baier: Jugendliche in Bielefeld haben Jagd auf Pädosexuelle gemacht. Welches Ausmaß hat das Problem?
Das Jugendschöffengericht in Bielefeld hat vier von acht Jugendlichen zu Bewährungsstrafen von zwei Jahren, Dauerarrest und Sozialstunden verurteilt. Die Pädophilenjäger(Pedo-Hunters) hatten ihre Opfer in eine Fall gelockt und dann geschlagen und gedemütigt. Die jugendlichen Täter wollten auf diese kriminelle Weise Kinder retten. Sie waren im Glauben, dass Selbstjustiz an Pädosexuellen gerechtfertigt ist. Der WDR hat ein Interview mit dem Kriminologen Dirk Baier geführt. WDR: Ein Ex-Polizist veröffentlicht auf Youtube regelmäßig Videos für seine 450.000 Abonnenten, in denen er mutmaßliche Pädosexuelle bloßstellt und der Polizei übergibt. Was löst so etwas bei den Zuschauern aus? Baier: Es ist ein moderner Pranger. Und ein wirklich schlimmer Trend. Auch weil längst nicht alle Personen, die in solchen Videos bloßgestellt werden, sich tatsächlich schuldig gemacht haben. Aber Zuschauer könnten den Eindruck gewinnen, dass es völlig okay ist, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. Da muss man einen Riegel vorschieben. Eine solche Jagd auf Pädophile wird immer mehr zum Volkssport. Die jährliche Kriminalstatistik(PKS) schlüsselt solche Gewalttaten nicht auf. K13online fordert deshalb, dass solche Taten in der PKS gesondert aufgeführt werden. Denn nur dann kann die Öffentlichkeit das Ausmaß solcher Kriminalität sehen. Der Gesetzgeber hat im Jahre 2021 das bereits strafbare Cybergrooming erweitert, sodass sich die Pädophilenjäger als Kinder ausgeben können. Damit fördert der Gesetzgeber das Fallenstellen, obwohl kein tatsächliches Kind betroffen ist und deshalb auch nicht zum Missbrauchsopfer werden kann. Eine solche Gesetzgebung ist nach Rechtsauffassung von K13online nicht mit dem Grundgesetz vereinbar…
Gericht veruteilt angeklagte „Pedo-Hunter”
Während der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht in Bielefeld sollen die drei Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren sowie die fünf jungen Männer im Alter von 15 bis 20 Jahren einen beschämten, reumütigen Eindruck hinterlassen haben, beschreibt die Neue Westfälische aus dem Gerichtssaal. Am Donnerstag wird ein Urteil gegen vier der Beteiligten gesprochen, zuvor wurde das Verfahren gegen die verbliebenen Mitglieder der Gruppe eingestellt. Sie seien „nur am Rand des Geschehens beteiligt gewesen“, erklärt Lars Herzog, Pressesprecher des Landgerichts Bielefeld.Gegen vier der acht Angeklagten wurde das Verfahren eingestellt. Die anderen wurden nun verurteilt. Nach RTL-Informationen werden die zwei Hauptangeklagten zu einer zweijährigen Jugendstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt wird, sowie einem dreiwöchigen Dauerarrest verurteilt. Die anderen beiden Täter kommen glimpflicher davon, müssen 80 Sozialstunden ableisten.
Pedo-Hunting“: So inszenieren sich Täter als Retter der Kinder
Was treibt selbsternannte „Pedo-Hunter“ an, die mutmaßliche Pädosexuelle anlocken und misshandeln? Fragen an einen Kriminologen.
Nach Angriffen auf zwei mutmaßliche Pädosexuelle mussten sich am Donnerstag acht Jugendliche und junge Erwachsene vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Sie hatten die Männer im Netz kontaktiert und mit der Aussicht auf Sex zu einem persönlichen Treffen überredet. Dann hatten sie die Männer geschlagen und gedemütigt.
https://www1.wdr.de/nachrichten/pedo-hunter-interview-kriminologe-100.html




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