ITP-Arcados-Online: Sylvia Tanner gründete im Jahre 1994 die erste private Beratungsstelle für Pädophile im Schweizer Schaffhausen und verstarb an einem Krebsleiden
Die K13online Redaktion gedenkt am 17. Oktober 2025 an den 15. Todestag von Sylvia Tanner aus der Schweiz. Frau Tanner begann ihre Beratungstätigkeit für pädophil-liebende Menschen im Jahre 1994. Bis zu ihrem Tod hat Sie vielen Betroffenen und deren Angehörigen mit Rat & Tat zur Seite gestanden. Als Mitglied der deutschen Gesellschaft für Sexualwissenschaften e.V. in Leipzig half Sie Hilfesuchenden bei der Bewältigung von Problemen im täglichen Umgang mit ihrer sexuellen Orientierung der Pädophilie. Bei Ihrer Beratung wurde Sie auch durch die Internet-Präsenz ITP-Arcados unterstützt. Syliva Tanner gab auch einigen suizidal Betroffenen wieder neuen Lebensmut. Ein naher Familienfreund hatte zuvor seine berufliche Existenz als Lehrer verloren und begann Suizid. Frau Tanner wird insbesondere den Pädophilen in ewiger Erinnerung bleiben, die von Ihr persönliche Hilfestellungen erhalten haben. Ihre Bemühungen, eine adäquate Nachfolge für die Beratungsstelle ITP-arcados zu finden, scheiterten jedoch bis zuletzt an der gesellschaftlichen Tabuisierung. Auf der ITP-arcados-Webseite wurden, auch von verschiedenen Mitarbeitern, zahlreiche Hintergrundinformationen gesammelt und bereitgestellt, wodurch eins der wenigen neutral gestalteten Informationsportale zum Thema Pädophilie entstand. Diese Homepage ist auch weiterhin im Internet verfügbar. Die Domain & das ITP-Projekt wurde vor einiger Zeit vom ROSA ARCHIV & Bibliothek(RAB) übernommen. Der neue Inhaber Rosa von Zehnle sucht Berater/Innen, um dieses Projekt weiterhin fortführen zu können…
https://www.boywiki.org/de/Sylvia_Tanner
Sylvia Tanner († 17.10.2010) betrieb eine ehrenamtliche Beratungsstelle für Pädophile in Schaffhausen in der Schweiz, auch bekannt unter ITP-arcados. Als eine der ersten im deutschsprachigen und lange Zeit einzige im deutschsprachigen Raum arbeitete sie niedrigschwellig im Dunkelfeld mit zumeist jungen Boylovern in der Coming-In-Phase. Im Oktober 2010 erlag sie einem Krebsleiden.
Gründung der Beratungsstelle
Sylvia Tanner war lange in Krankenpflege und AIDS-Beratung tätig. Anfang der 90er-Jahre gestand ihr ein Freund der Familie seine pädophile Neigung. Er fürchtete, die Söhne von Sylvia Tanner könnten im Zuge eines Ermittlungsverfahrens polizeilich befragt werden, obwohl keine ungesetzlichen Kontakte stattgefunden hatten. Nach einer vorübergehenden Verhaftung verlor der Familienfreund kurz darauf seine berufliche Existenzgrundlage als Lehrer und begann Suizid. Dieses Erlebnis konfrontierte Sylvia Tanner unvermittelt mit dem Thema Pädophilie und der damit verbundenen Belastung für Betroffene. In der Folgezeit begann sie, sich ausführlich mit dem Thema auseinander zu setzen und stellte ihr Beratungsangebot 1994 auf pädophil empfindende Menschen um. Mit dieser Entscheidung traf sie in ihrem Umfeld weitgehend auf Unverständnis und Ablehnung und wurde gesellschaftlich isoliert und auch angefeindet. Dennoch führte sie ihre Arbeit aus Überzeugung fort, wobei ihr ihre Söhne und einige enge Freunde stets beistanden.
Arbeitsweise
Sylvia Tanner betrieb ihre Arbeit ehrenamtlich und privatfinanziert. Die Beratung bei ITP-arcados fand hauptsächlich telefonisch, später zunehmend per E-Mail und Skype statt. Nach eigenen Angaben meldeten sich häufig relativ junge männliche Betroffene zwischen 15-25. Außerdem beantwortete sie Anfragen von Eltern von pädophil empfindenden Menschen sowie gelegentlich Personen, die einen Mißbrauchsfall in ihrem Umfeld vermuteten. Nach ihren sexualwissenschaftlichen Recherchen war sie früh zu der Erkenntnis gekommen, daß Pädophilie eine relativ früh feststehende, sexuelle Prägung ist, die mit Heterosexualität und Homosexualität vergleichbar ist und nicht „wegtherapiert“ werden kann. Stattdessen setzte sie bei Betroffenen auf den Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls und positivem Umgang mit der sexuellen Neigung. Daneben sollte die Selbstverantwortung eines BL und dessen Selbstkontrolle hinsichtlich sexueller Kontakte gestärkt werden. Sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern hielt sie zwar nicht per se, jedoch in der momentanen gesellschaftlichen Lage für zu riskant und potentiell schädlich und lehnte sie daher ab. Im Laufe der Jahre beriet sie Hunderte von Betroffene persönlich und verhalf durch ihren Beistand zahlreichen oft suizidalen Betroffenen zu Lebensmut. Neben der Erleichterung, überhaupt über das Thema reden zu können, profitierten viele Betroffene von ihrer unvoreingenommenen Art, auch Pädophile menschlich und fast mütterlich zu behandeln und ihre Liebe zu Kindern als natürlich und im Grunde positiv einzuschätzen. Dies stand und steht weiterhin im absoluten Kontrast zur verbreiteten Stigmatisierung und eröffnete häufig erst den Weg zur psychischen Stabilisierung Betroffener.
Öffentlichkeitsarbeit
Neben der direkten Beratung von Pädophilen setzte sie sich stark für eine Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung ein: Anstatt des „Monsters“ wollte sie eine humane Sicht auch auf pädophil empfindende Menschen stärken, mit dem Hintergrund, daß selbst enthaltsam lebende Pädophile häufig stark unter Vorurteilen und öffentlichen Zerrbildern und damit verbundenen psychischen Problemen leiden. Dafür setzte sie sich auch im Zuge zahlreicher Interviewanfragen und in Fachkreisen ein und arbeitete lange Zeit auf die Gründung einer offiziellen Beratungsstelle hin, was zu ihrer Enttäuschung bis zuletzt von den Verantwortlichen abgelehnt wurde. Auf der ITP-arcados-Webseite wurden, auch von verschiedenen Mitarbeitern, zahlreiche Hintergrundinformationen gesammelt und bereitgestellt, wodurch eins der wenigen relativ neutral gestalteten Informationsportale zum Thema Pädophilie entstand. Da Sylvia Tanner keine staatlich ausgebildete Therapeutin war, auch wenn sie sich in mehreren Fortbildungen qualifizierte, wurde sie in Fachkreisen jedoch lange nicht beachtet. Später wurde sie in die Gesellschaft für Sexualwissenschaften e.V. in Leipzig aufgenommen. Ihre Bemühungen, eine adäquate Nachfolge für die Beratungsstelle ITP-arcados zu finden, scheiterten jedoch bis zuletzt an der gesellschaftlichen Tabuisierung.
https://www.itp-arcados.net/index.html


Ich wußte gar nicht, daß Frau Tanner schon so lange tot ist, was mich jetzt echt schockiert. Ich lernte sie auf einer AHS-Tagung kennen und habe sie als sehr warmherzig, aufrichtig und wohltuend empfunden, fernab jeden Vorurteils, das nach wie vor verheerend in den Köpfen der Menschen grassiert, wie ein unausrottbarer Virus, immer wieder von Scharfmachern in sie hinein injiziert. Dagegen war Frau Tanner eine richtige Lichtgestalt, zumal sie selber ja nur indirekt damit zu tun bekam. Aber ihre nüchterne Sachlichkeit zu diesem Thema erschien mir sehr human, weshalb ich großen Respekt für sie hatte. Als ich selber mal nur in den Verdacht geriet, wurde ich von den Eltern der betroffenen Kinder wie ein Pestkranker verstoßen. Das war der kleine Unterschied, der Frau Tanner, Mutter von Söhnen und doch ohne Vorurteile gegen einen bekennenden Freund der Familie, so ganz anders – menschlich machte.
K13online Anmerkungen
Vielen Dank für Deinen Kommentar.
Gruß Dieter-K13
Danke Dieter!
Freut mich, das die liebe Frau Tanner nicht vergessen wird. Frauen wie sie (und z.B. auch Bleibtreu-Ehrenberg) waren und sind es, die eben die Wahrheit und Menschlichkeit nach oben halten und die sich gegen den damaligen und heutigen unwissenschaftlichen Schwachsinn, z.B. von Beier´s KTW stellen, denn das was heute praktiziert wird, ist Rufmord und pure menschenverachtende Kriminalisierung der P´s. Man unterstellt den P´s generell kriminell zu sein, wie ja die „Hilfs“angebote „Kein Täter werden“ (KTW) eindeutig suggerieren.
Nein, eben nicht, denn P´s sind zuerst Menschen wie Du und Ich und dann haben sie zudem die gleichen Rechte wie alle anderen auch.
…
Pädophilie ist ein von der Natur intendierter Ausdruck ihrer Vielfalt.
In allen Lebensformen zeigt sich, daß Natur niemals Einförmigkeit, sondern Gleichgewicht anstrebt. Wie in einem Wald nicht jeder Baum gleich wächst, so ist auch im Menschen das Leben in mannigfaltigen Formen verwirklicht. Diese Anziehung ist kein Irrtum der Natur, sondern Teil eines größeren Plans, der auf Harmonie beruht. Die Natur kennt kein „falsch“, sondern nur das, was dem Ganzen dient – und in dieser Vielfalt (dazu zählen natürlich auch alle anderen sexuellen Orientierungen) liegt ihre wahre Schönheit.
Allen alles Gute
Rosa von Zehnle
Gründer und Inhaber des RAB 1986,
welches 2026 genau 40 Jahre jung wird.
…
P.S.: Der TROTZ Verlag wurde 2015 vom 175er Verlag übernommen.
Walter und Reinhards Bücher sind hier gelistet:
https://trotz.175er-verlag.de/
Anmerkung:
Neue und unveröffentlichte Manuskripte (wovon von Walter noch Dutzende vorhanden sind – natürlich thematisch auch sexualfrei) werden ab 2016 nach und nach veröffentlicht.
Also schön neugierig bleiben!